WWW.BOOK.DISLIB.INFO
FREE ELECTRONIC LIBRARY - Books, dissertations, abstract
 
<< HOME
CONTACTS



Pages:   || 2 | 3 | 4 | 5 |   ...   | 14 |

«DISSERTATION Läsionsentwicklung in der Multiplen Sklerose: eine prospektive klinische und kernspintomographische Verlaufsuntersuchung zur Erlangung ...»

-- [ Page 1 ] --

Aus der Cecilie-Vogt-Klinik für Neurologie

der Medizinischen Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin,

Campus Berlin Buch

DISSERTATION

Läsionsentwicklung in der Multiplen Sklerose: eine

prospektive klinische und kernspintomographische

Verlaufsuntersuchung

zur Erlangung des akademischen Grades

Doctor medicinae (Dr. med.)

vorgelegt der Medizinischen Fakultät

Charité – Universitätsmedizin Berlin

von

Judith Bellmann-Strobl aus Regensburg Gutachter: 1. Prof. Dr. med. F. Zipp

2. Prof. Dr. med. W. Brück

3. Prof. Dr. med. M. Taupitz Datum der Promotion: 29. Januar 2010 gewidmet den Menschen, die an Multipler Sklerose leiden und auf vielerlei Weise die Erforschung dieser Erkrankung unterstützen _____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

III Inhaltsverzeichnis ___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

1. EINLEITUNG

1.1. Krankheitsbild Multiple Sklerose

1.1.1. Definition und Verlaufsformen

1.1.2. Epidemiologie und Genetik

1.1.3. Klinisches Bild

1.1.4. Immunmodulierende Therapie

1.2. Pathogenese der MS

1.2.1. Aktuelles pathogenetisches Konzept

1.2.2. Neuropathologische Grundlagen

1.2.3. Die Blut-Hirn-Schranke

–  –  –

2.3. Kernspintomographie

2.3.1. Bildanalyse

2.3.2. Selektionskriterien für Läsionen in der Perfusionsmessung................ 36 2.4. Statistische Datenanalyse

___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

–  –  –

4. DISKUSSION

4.1. Läsionsentwicklung in der konventionellen MRT-Bildgebung und klinischer Verlauf

4.2. Läsionsbildung in der perfusions- und diffusionsgewichteten Bildgebung

–  –  –

___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

–  –  –

Sie gilt als eine der bedeutesten Cellisten des 20. Jahrhunderts. Ihre Virtuosität, das scheinbar nicht zu bändigende Temperament und ihre natürliche, wie auch einfühlsame Art, Musik zu interpretieren, verzauberten das Publikum und begeisterten die Musikkritiker. Jacqueline du Pré, geboren am 26. Januar 1945, entdeckt für sich in frühester Kindheit das Cello und wird unterrichtet von William Pleeth. Mit 16 Jahren gibt sie ihr Solo-Debüt. Sie gewinnt zahlreiche hochrangige Preise und trägt zusammen mit den besten Dirigenten und Orchestern in den großen Konzertsälen der Welt vor. Sie interpretiert u. a. Konzerte von Haydn, Schumann, Saint-Saëns und Dvorák, untrennbar mit ihrem Namen ist das Cellokonzert in e-moll von Elgar verbunden.

Im Herbst 1973 vertraut sie sich ihrem Arzt an, wie ihre Geschwister Hilary und Piers du Pré in den von ihnen verfassten Familienerinnerungen „Jacqueline du Pré: ein Genie in der Familie“ berichten.

„Sie erzählte ihm, dass sie schon vor einem Jahr bemerkt hatte, dass sie ihre Hände nicht richtig benutzen konnte. Es hatte Situationen gegeben, in denen sie mit der linken Hand die Cellosaiten nicht mehr herunterdrücken konnte und mit der rechten Schwierigkeiten hatte, den Bogen zu halten.

Außerdem waren ihr die Beine oft taub und weich geworden, und ihr Rücken machte ihr zu schaffen. Und in den letzen drei Monaten hatte sie mit dem linken Auge häufig nur ganz verschwommen sehen können.“ (S. 318) Nach einigen Untersuchungen wird die Diagnose Multiple Sklerose gestellt. Im Alter von 28 Jahren, auf dem Höhepunkt des Erfolges, ist sie gezwungen, ihre Karriere aufzugeben und unterrichtet fortan, so lange es ihr noch möglich ist, Meisterklassen in Cello. Am 19. Oktober 1987 stirbt sie im Alter von 42 Jahren an den Folgen der Erkrankung.

___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Einleitung ____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Was ist das für eine Krankheit, die dem Leben der vielversprechenden Künstlerin so eine dramatische Wende gab? Die Multiple Sklerose ist in unseren Breiten die häufigste entzündliche demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Sie manifestiert sich in der Regel im jungen Erwachsenenalter und führt über wiederholt auftretende Schübe mit neurologischen Symptomen in vielen Fällen zu einer zunehmenden alltagsrelevanten Behinderung. Trotz erheblicher Forschungsanstrengungen in den letzten Jahrzehnten, die wesentliche Erkenntnisse über Pathogenese und Verlauf der Erkrankung erbrachten (Noseworthy et al., 2001;

Steinman et al., 2002), ist die Ätiologie der Erkrankung noch immer ungeklärt.





Nach gängigen Konzepten wird die MS den T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen zugerechnet, zu deren Manifestation eine genetische Disposition und vermutlich ein bisher unbekannter Umweltfaktor beitragen. Jedoch sind die Prozesse, die zur Entstehung einer cerebralen oder spinalen Läsion führen, dem die Erkrankung kennzeichnenden pathologischen Befund, nach wie vor im Detail nicht entschlüsselt. Es wird angenommen, dass die Störung der Blut-HirnSchranke (blood brain barrier, BBB) den ersten, essentiellen Schritt der Bildung eines „Plaques“ darstellt (Harris et al., 1991; McFarland, 2001). Im peripheren Blut aktivierte, autoreaktive CD4+ Lymphozyten überwinden die BBB und entfachen einen entzündlichen Prozess (Markovic-Plese and McFarland, 2001). Im Laufe der Erkrankung entstehen bei Patienten in der schubförmig-remittierenden Phase der Multiplen Sklerose 5 – 10 Mal häufiger neue Läsionen, als die Patienten einen Schub der Erkrankung erleiden (Willoughby et al., 1989). Auch findet sich nur eine geringe Korrelation zwischen der Zahl bzw. dem Volumen der in T2-Wichtung dargestellten kernspintomographischen Veränderungen mit der Behinderung des Patienten, ein Phänomen, das „klinisch-radiologisches Paradoxon“ genannt wird. (Kalkers et al., 2001b).

Der derzeitige Goldstandard, um eine neu entstehende Läsion zu erfassen, ist der Nachweis einer Kontrastmittelanreicherung in T1-gewichteten Aufnahmen der Magnetresonanztomographie (MRT) nach Applikation von MRT-Kontrastmittel. Diese paramagnetischen Substanzen zeigen eine Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke ___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Einleitung ____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

an. Sie diffundieren durch geschädigte Gefäßwände in das Gewebe und führen dort zu einer sogenannten Kontrastmittelanreicherung. Es gibt jedoch vermehrt Hinweise, dass bereits im Vorfeld einer Kontrastmittelanreicherung Veränderungen in der normal erscheinenden weißen Substanz (normal appearing white matter, NAWM) auftreten. So wird eine Abnahme der Magnetisation Transfer Ratio (MTR) beschrieben, die einen verminderten Gehalt an Makromolekülen im Gewebe indirekt anzeigt und somit auf eine veränderte Struktur des Hirnparenchyms (zum Beispiel Ödem oder Demyelinisierung) hinweist (Filippi et al., 1998; Silver et al., 1998). Auch wurde mittels Magnetresonanz-Spektroskopie (MRS) ein regionaler Anstieg von Cholin (Marker für erhöhten Zellumsatz) und von freien Lipiden (Abbauprodukte der Myelinscheiden) gezeigt, der einer neu entstehenden kontrastmittelanreichernden Läsion um mehrere Monate vorausgehen kann (Narayana et al., 1998). Der deutliche Anstieg des scheinbaren Diffusionskoeffizienten (Apparent Diffusion Coefficient, ADC), berechnet aus der diffusionsgewichteten Bildgebung (Diffusion-weighted imaging, DWI), der Wochen bis Monate vor dem Zusammenbruch der BBB beginnt, zeigt mikrostrukturelle Umbauvorgänge der Hirnsubstanz an (Rocca et al., 2000;

Werring et al., 2000). Ein erhöhter ADC entspricht einer Zunahme der freien Diffusion von Wassermolekülen an, die wiederum durch ein interstitielles Ödems in Folge akuter Inflammation und paralleler demyelinisierender Vorgänge erklärt werden kann.

Die Zunahme des lokalen Blutflusses, einer der ersten Prozesse in der Entstehung einer Entzündung, (Perretti und Ahluwalia, 2000) fand jedoch bisher in der MSForschung wenig Beachtung. Ziel dieser Arbeit ist es, ein hochaktives Patientenklientel klinisch und kernspintomographisch zu charakterisieren sowie mit der parallelen Untersuchung von Perfusion und ADC in Läsionen und Arealen mit zukünftiger Läsionsbildung pathophysiologische Erkenntnisse über die Läsionsentstehung in der MS zu gewinnen. Kernspintomographische Methoden bilden hierbei die einzige Untersuchungstechnik, direkt am Patienten in vivo Messungen vorzunehmen.

In diesem Kapitel wird zunächst das Krankheitsbild der Multiple Sklerose kurz vorgestellt (Abschnitt 1.1.). Die pathogenetischen Grundlagen der MS werden im Abschnitt 1.2. skizziert mit Erläuterungen zum besonderen Aspekt der Blut-HirnEinleitung ____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

–  –  –

1.1. Krankheitsbild Multiple Sklerose 1.1.1. Definition und Verlaufsformen Die Multiple Sklerose, synonym als Encephalomyelitis disseminata (ED) bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung des Zentralnervensystems. Wesentliches Kennzeichen sind neurologische Symptome in örtlicher und zeitlicher Dissemination.

Im klinischen Kontext beschreibt der Begriff der örtlichen Dissemination das Auftreten pathologische Befunde in verschiedenen neurologischen Systemen (zum Beispiel Motorik, Sensibilität, Visus, Hirnnerven, Blasen-Mastdarm-Funktion). Unter zeitlicher Dissemination wird die Erscheinung von Krankheitszeichen zu verschiedenen Zeitpunkten (Schübe) verstanden.

Abbildung 1. Verlaufsmuster der MS (nach Lublin & Reingold, 1996).

___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Einleitung ____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Dem klinischen Verlauf gemäß werden drei Formen der Erkrankung unterschieden.

Bei 80% - 90% der Patienten beginnt die Erkrankung mit der schubförmigremittierenden Form, die durch Schübe, die sich vollständig oder teilweise zurückbilden, gekennzeichnet ist (Abbildung 1 A und B). Nach 10 Jahren Krankheitsdauer nimmt bei ungefähr der Hälfe der Patienten die MS einen sekundärchronisch progredienten Verlauf mit langsam zunehmender Beeinträchtigung zum Teil auch ohne weitere Schübe (Abbildung 1 C und D). Manifestiert sich die MS bereits initial mit progredienter Symptomatik und treten keine Schübe auf (ca. 10 – 20% der Patienten) spricht man von einer primär chronisch progredienten Form (Abbildung 1 E und F). (Weinshenker et al., 1989; Lublin und Reingold, 1996).



Pages:   || 2 | 3 | 4 | 5 |   ...   | 14 |


Similar works:

«Aus der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin CCM/ CVK der Medizinischen Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin DISSERTATION Beeinflussung spezieller Stoffwechselfunktionen der Leber und der Barrierefunktion des Gastrointestinaltraktes unter der Therapie mit Tirilazad bei herzchirurgischen Patienten mit Herzklappenersatz unter Bedingungen des normothermen cardiopulmonalen Bypasses zur Erlangung des akademischen Grades Doctor medicinae (Dr. med.)...»

«Klinik und Poliklinik für Neurologie der Technischen Universität München Klinikum rechts der Isar (Direktor: Univ.-Prof. Dr. B. Conrad) Untersuchung prämotorischer Areale und ihrer dopaminergen Modulation bei Patienten mit Morbus Parkinson mittels ereigniskorrelierter funktioneller Kernspintomographie Nina Kämpfe Vollständiger Abdruck der von der Fakultät für Medizin der Technischen Universität München zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Medizin genehmigten...»

«Copyright 2003 by the American Society of Clinical Hypnosis American Journal of Clinical Hypnosis 46:1, July 2003 Efficacy vs. Effectiveness Research in Psychotherapy: Implications for Clinical Hypnosis Jon K. Amundson Independent Practice, Calgary, Alberta Assen Alladin Regional Health Authority, Calgary, Alberta Eamon Gill Applied Psychology, University of Calgary Empirically supported therapy (EST) has become a major focus and trend for mental health practice. When hypnosis is involved, this...»

«TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN KLINIK UND POLIKLINIK FÜR STRAHLENTHERAPIE UND RADIOLOGISCHE ONKOLOGIE KLINIKUM RECHTS DER ISAR (Direktor: Univ.-Prof. Dr. M. Molls) Hsp70-Membranexpression auf Sarkomen – eine tumorspezifische Zielstruktur Sophie Mirabell Lehnerer Vollständiger Abdruck der von der Fakultät für Medizin der Technischen Universität München zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Medizin genehmigten Dissertation. Vorsitzender: Univ.-Prof. Dr. E. J. Rummeny...»

«Akademischer Bericht 2008 Institut für Parasitologie Leitung in der Berichtsperiode: Prof. Peter Deplazes Winterthurerstr. 266a 8057 Zürich E-Mail parasito@vetparas.uzh.ch Zusammenfassung (Management Summary) The Institute of Parasitology (IPZ) is affiliated to both the Vetsuisseand the Medical Faculty of the University of Zurich. During 2008, the IPZ continued its research in a wide spectrum of scientific programmes ranging from applied research to basic biology, biomedicine and...»

«ARTICLE ENVIRONMENT AND BEHA 10.1177/0013916503260163 VIOR / May 2004 Staats et al. / PROENVIRONMENT HOUSEHOLD CHANGE AL EFFECTING DURABLE CHANGE A Team Approach to Improve Environmental Behavior in the Household HENK STAATS teaches environmental psychology and research methods at the Department of Social and Organizational Psychology at Leiden University, the Netherlands. He coordinates the activities of the Centre for Energy and Environmental Research. His research interests include...»

«Medizinische Fakultät der Technischen Universität München Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Lehrstuhlinhaber: Univ.-Prof. Dr. Peter Henningsen Noceboresponse in randomisierten kontrollierten Medikamentenstudien des Fibromyalgiesyndroms und der schmerzhaften peripheren diabetischen Neuropathie Claas Bartram Vollständiger Abdruck der von der Fakultät für Medizin der Technischen Universität München zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Medizin...»

«AUS DER FAKULTÄT FÜR MEDIZIN DER UNIVERSITÄT REGENSBURG PROF. DR. MED. E.-D. KREUSER FACHGEBIET HÄMATOLOGIE UND INTERNISTISCHE ONKOLOGIE IMPLEMENTIERUNG EINER DEFINIERTEN PARENTERALEN ERNÄHRUNG VON TUMORPATIENTEN UNTER CHEMOUND ANTIKÖRPERTHERAPIE: EINE PROSPEKTIVE BEOBACHTUNGSSTUDIE Inaugural – Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg vorgelegt von Susanne Daum AUS DER FAKULTÄT FÜR MEDIZIN DER UNIVERSITÄT...»

«Zum Einfluss der Interaktion von HLA-E und NKG2A auf Phänotyp und Funktion CD8 positiver T-Lymphozyten bei chronischer Hepatitis C Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Hohen Medizinischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Ina Maria Niederle aus Essen Angefertigt mit Genehmigung der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn 1. Gutachter: Prof. Dr. U. Spengler 2. Gutachter: Prof. Dr. J. Oldenburg Tag der Mündlichen Prüfung: 2.3.2009...»

«Division of Clinical Neurobiology Prof. Gregor K. Wenning MD PhD MSc Department of Neurology Medical University Anichstrasse 35, A-6020 Innsbruck P: +43 512 504-23933 M: +43 512 504-81811 F: +43 512 504-23912 Email: gregor.wenning@i-med.ac.at Home Address: Krippstrasse 21, 6067 Absam i.T., CURRICULUM VITAE Austria T: +43 5223 204805 M: +43 676 5964772 Name: Gregor Karl WENNING DOB: 21. March 1964 in Horstmar GERMANY Parents: Karl-Heinz and Elisabeth Wenning Married to: Prof. Roberta Granata, 2...»





 
<<  HOME   |    CONTACTS
2016 www.book.dislib.info - Free e-library - Books, dissertations, abstract

Materials of this site are available for review, all rights belong to their respective owners.
If you do not agree with the fact that your material is placed on this site, please, email us, we will within 1-2 business days delete him.